Teil 3: Faszination Schokolade

Von Schreibblockaden und Schmierzetteln

Was für ein gutes Gefühl! Das Thema des allerersten Kapitels meines eigenen Buchprojektes stand fest: Schokolade. Sie begegnet uns so gut wie jeden Tag, jeder kennt sie und jeder mag sie. Na gut, vielleicht nicht ausnahmslos jeder. Und wo wir gerade dabei sind: Ich persönlich war früher auch kein besonders großer Schokoladenfan. Süßes Gebäck, Bonbons und richtig schön saure Fruchtgummis? Die hatten bei mir kaum eine Überlebenschance. Eine Tafel Schokolade dagegen konnte gerne einmal mehrere Wochen unangetastet auf meinem Küchentisch herumliegen. Die Betonung liegt auf konnte, denn inzwischen hat sich das geändert. Aber von vorne.

Der Plan war klar: Recherchieren, ein Probekapitel schreiben und mich damit bei verschiedenen Verlagen bewerben. Ich setzte mich also hochmotiviert an meinen Schreibtisch, öffnete meinen Laptop, startete Word - und plötzlich starrte mich diese angsteinflößend leere Seite an. Und dort sollte einmal ein komplettes Buch stehen? Ich verspürte einen kurzen Anflug von Panik - und klappte den Laptop direkt wieder zu. Nein, nein, so funktionierte das nicht. Zumindest nicht für mich.

 

Statt der abschreckend weißen Seite eines Word-Dokuments brauche ich für sinnvolle kreative Einfälle erst einmal einen richtig schönen Schmierzettel. Mit Hilfe von Notizen, Skizzen, Mindmaps und sonstigen Kritzeleien kann ich mich darauf dann an alle Gedanken herantasten, die mir zum jeweiligen Thema so in den Kopf kommen.

 

Im Fall von Schokolade waren das zum Beispiel: Wie bekommt man geschmolzene Schokolade dazu, wieder richtig auszuhärten und seidig-matt zu glänzen? Und weshalb? Warum scheint es kaum etwas Essbares zu geben, das durch einen Überzug aus Schokolade nicht noch ein kleines bisschen leckerer wird? Wieso bekommt Schokolade mit der Zeit einen grauen Belag und weshalb zerläuft Backschokolade im Ofen nicht? Und allem voran: Was ist Schokolade eigentlich genau?

Fruchtgummifan wird Schokoladenliebhaberin

Ich begann, mich in die Recherche zu stürzen und alles Wichtige und Interessante zu notieren - mit Nebenwirkungen! Denn Schokolade ist nicht nur lecker, sondern noch dazu das absolut faszinierende Ergebnis einer meisterhaften Zusammenarbeit von Natur und Mensch. Je mehr ich darüber las, desto mehr wollte ich ein, zwei oder auch gerne drei Stückchen - oder waren es Riegel? - genauestens beobachten, untersuchen und vor allem essen. Denn wenn man erst einmal mehr über das weiß, was unter der seidig-matten Oberfläche von Schokolade vor sich geht, dann nimmt man jeden einzelnen Bissen davon viel bewusster und mit ganz anderen Augen wahr. Versprochen.

Das anfangs noch so erschreckend leere Word-Dokument füllte sich also. Zuerst mit einem wilden Chaos an Stichpunkten und Fragen, danach mit sinnvoll gegliederten Abschnitten und schließlich mit ausformuliertem Text. Und dann war es endlich so weit: Ich hatte das fertige Kapitel über die Faszination Schokolade vor mir. Der Haken: Wie das mit einem 25 Seiten langen reinen (Sach)Text nun einmal ist, lud das Ganze noch so gar nicht zum lockeren Schmökern ein. Es fehlten eindeutig Fotos und Illustrationen.

 

Die Fotos würden kein Problem sein. Zumindest dachte ich das am Anfang. Tatsächlich hatte ich nicht damit gerechnet, wie unfotogen Schokolade sein kann - oder besser gesagt, wie schlecht ich zunächst darin war, sie zu fotografieren. Immerhin konnte ich den Frust direkt wieder abbauen, indem ich das ungeliebte Stück Süßigkeit zur Strafe einfach aufaß. Irgendwann war ich mit dem Ergebnis meiner Fotosessions aber endlich zufrieden.

Perfekte unperfekte Illustrationen

Blieben noch die Illustrationen. Mein Problem: Ich hatte zwar eine Vorstellung davon, was ich darstellen und erklären wollte, zeichnen kann ich aber leider nicht wirklich. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Der Vorteil für Menschen wie mich: Im Moment sind simple, leicht schiefe und offensichtlich handgemalte Illustrationen durchaus im Trend - und ich liebe sie! Die Wahrheit ist also, dass ich nicht mit Absicht in diesem Stil zeichne, ich kann es einfach gar nicht anders ;) Und Trend hin- oder her, die Illustrationen des Probekapitels sollten ja erst einmal nur verdeutlichen, wie ich mir das Buch später in etwa vorstellte.

Übrigens: Wer selber gerne zeichnet und seine Werke digitalisieren möchte, braucht dazu weder spezielles Equipment, noch eine teure Software. Mit Hilfe des kostenlosen Programmes Inkscape lassen sich alle erdenklichen schwarz-weißen Fotos ganz einfach in eine sogenannte Vektorgrafik umwandeln. Diese besteht im Gegensatz zu Fotodateien nicht aus Pixeln und lässt sich nicht nur bearbeiten, füllen oder einfärben, sondern auch ohne nervige Qualitätseinbußen beliebig vergrößern. Dafür genügt bereits ein schlichtes Handyfoto und wenige Klicks später ist die Zeichnung in vektorisierter Form auf dem Bildschirm. Eine genauere Anleitung dazu gibt es zum Beispiel hier. Gerade für den Anfang ist Inkscape eine sehr gute Alternative zu professionellen und teuren Programmen wie Adobe Illustrator.

Auf der Suche nach dem richtigen Layout

Schließlich hatte ich alles zusammen: Text, Fotos und Illustrationen rund um die süße Wissenschaft der Schokolade. Was jetzt noch fehlte, war ein ansprechendes Aussehen. Hier verhielt es sich jedoch leider genau wie mit den Illustrationen: Ich hatte zwar eine Vorstellung vom Endergebnis, kannte mich mit professionellem Layout aber kaum aus. Daher machte ich mich zuerst einmal auf die Suche nach Büchern und Zeitschriften, deren Aufmachung meinen Ideen am nächsten kam. Was gefiel mir am Aufbau der einzelnen Artikel besonders gut? Was eher weniger?

 

Mit einer klassischen Pro- und Kontra-Liste - natürlich auf einem Schmierzettel - machte ich mich schließlich mit Hilfe von Adobe InDesign an den Feinschliff. Nach einigem Hin- und Herschieben von Bildern und Texten, regelmäßigem Fluchen und gefrusteten Pausen hatte ich es endlich vor mir: Das erste Kapitel meines hoffentlich eigenen Buches.

Und so sah das Ganze am Ende dann aus (zum Vergrößern klicken):

Bevor ich mich damit aber bei verschiedenen Verlagen bewerben konnte, fehlte noch etwas ganz Entscheidendes. Etwas, vor dem mir regelmäßig das Herz komplett in die Hose rutschte: Das Feedback der ersten Leser. Was es für eine Überwindung ist, fremden Menschen etwas Selbstgeschriebenes zu zeigen, warum Autoren es hassen, ihr Buch mit einem einzigen Satz zusammenzufassen und wie die Verlage auf meine Bewerbung reagierten, das gibt es alles im nächsten Beitrag.

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