Aus dem Labor auf die Buchmesse - Teil 1: Mut zur Planlosigkeit

Eigentlich möchte ich etwas ganz anderes machen

Jawohl, juhu, jetzt ist es raus: Ich schreibe ein Buch. Oder genauer gesagt: Ich habe ein Buch ge­schrieben. Denn das Manuskript für das gute Stück liegt seit wenigen Tagen auf dem Schreib­tisch meiner zuständigen Lektorin und wird voraus­sichtlich im kommenden Sommer (2018) erscheinen. Ganz wichtig: Es wird kein Backbuch! Auch wenn hier auf den ersten Blick vielleicht alles danach aussieht. Statt dessen handelt es von den süßen wissenschaftlichen Hintergründen vieler verschiedener Back­zutaten und regt mit zahl­reichen Illustrationen, leckeren Fotos und kleinen Experimenten zum Staunen, Nach­denken und Nach­machen an.

Ich kann das alles noch gar nicht so richtig glauben. Vor gerade einmal einem Jahr war mein Vertrag an der Uni Freiburg erst seit wenigen Tagen ausgelaufen. Dort hatte ich Chemie studiert, anschließend promoviert und wusste nun eigentlich nur eins: Als klassische Chemikerin wollte ich - zumindest in naher Zukunft - nicht arbeiten.

 

Klar, da könnte man jetzt natürlich fragen, ob man so etwas denn nicht schon früher merkt. Jain. Denn Natur­wissen­schaften - na ja, außer Physik vielleicht - haben mich schon immer be­geistert. Noch dazu hat so ein Chemie­studium sehr viel von einem Handwerk und mir meistens Spaß gemacht. Bis auf die ganz normalen Motivations­löcher natürlich. Doch Gedanken, was ich mit diesem Abschluss später eigentlich genau an­fangen möchte, hatte ich mir eher selten gemacht.

Forschen vielleicht. Neue Dinge ent­decken, tolle Sachen erfinden, die Welt retten. Irgendetwas in diese Richtung eben.

 

Doch während meiner Doktorarbeit rückte der Ernst des Lebens immer näher und mir wurde auf Konferenzen, in Meetings und bei Vor­trägen immer mehr bewusst: Halt, Moment! So etwas möchte ich doch eigentlich gar nicht machen! Ich habe das alles eine ganze Weile als Phase abgetan. Die Doktorarbeit wollte ich auf jeden Fall erst einmal fertig machen und danach würde sich alles schon irgendwie ergeben.

 

Das war aber leider nicht so. Als ich mir dann endlich ein­gestanden hatte, dass ich mich definitiv um­orientieren möchte, war ich dann sogar richtig erleichtert. Und so ließ ich nach meiner Doktor­arbeit den Vertrag mit der Uni Freiburg auslaufen und ver­suchte heraus­zu­finden, was ich denn nun eigentlich wirklich wollte.

Was will ich wirklich? Die Sache mit der zündenden Idee

Ganz ehrlich: Ich habe mir das Leben von Erfindern und erfolgreichen Gründern immer folgendermaßen vorgestellt: Eines Morgens setzt man sich schlagartig im Bett auf, hat eine weltbewegende Idee und geht hochmotiviert ans Werk. Nachdem mir jedoch Morgen für Morgen einfach nur durch den Kopf gegangen ist, dass ich gerne noch länger liegen bleiben würde, musste ich wohl oder übel doch aktiv werden.

 

 

Und Folgendes habe ich dabei auf jeden Fall gelernt: Man hat zwar hin und wieder eine gute Idee, doch die kommt in der Regel nicht durchs Abwarten, sondern erst nach ziemlich vielen richtig schlechten Einfällen.

Viele kleine Schritte führen nach Rom - oder so ähnlich

Was konnte ich also tun? Einen Anhaltspunkt hatte ich immerhin: Ich liebe es, zu backen. Das war schon immer so und manchmal glaube ich, dass ich nur deshalb überhaupt Chemie studiert habe. Die Gemeinsamkeiten sind doch offensichtlich. Na gut, das eine ist das wohl am meisten gehasste Schulfach der Welt, das andere machen viele Menschen richtig gerne, aber davon mal abgesehen, mischt man sowohl im Labor als auch in der Küche verschiedene Dinge zusammen. Anschließend wird alles erhitzt, mal mehr, mal weniger, und heraus kommt (meistens) etwas völlig Neues. Im Falle vom Backen ist das im Optimalfall sogar ein köstlicher Leckerbissen.

 

Schon während meiner Doktorarbeit hatte ich angefangen, dieser Leidenschaft für Süßes wieder öfter nachzugehen. Und dann kam er: Der Moment, der rückblickend zwar vielleicht keine zündende Idee, mindestens aber ein Schubser in die richtige Richtung war: Ein Bericht im Fernsehen. Darin knetete eine Frau eine wunderschön glänzende Zuckermasse, zog und verformte sie und ganz am Ende entstanden aus dem anfangs ziemlich unförmigen Klumpen wunderschöne Bonbons. Das wollte ich auch können!

 

Natürlich klappte das am Anfang überhaupt nicht. Meine ersten Bonbons waren nicht nur hässlich, sie zerbröselten auch entweder oder klebten wie Sekundenkleber an den Zähnen. Doch wie kam das eigentlich? Mein Forschergeist war geweckt und ich wollte unbedingt herausfinden, was da in diesen Zuckerklumpen genau ablief.

Um es kurz zu machen: Ich recherchierte, probierte herum, dokumentierte alles und am Ende hatte ich nicht nur wunderschöne selbstgemachte Bonbons, sondern auch einiges gelernt. Und dieses Wissen wollte ich unbedingt mit anderen teilen. So entstand die Idee zum Blog „Studie in Süß“ und mit ihr der erste Beitrag „Vom Zucker und der Bonbonkocherei“.

Im Rückblick ganz einfach, in Wahrheit ganz schön frustrierend

Während ich den Blog nach und nach mit Inhalt füllte und dabei immer wieder ziemlich frustriert dachte, dass das alles am Ende doch sowieso keiner liest, habe ich weiterhin in unzählige Richtungen überlegt. Wie konnte ich am besten meine Leidenschaft für Naturwissenschaften und die für süße Köstlichkeiten kombinieren? Und dabei im Optimalfall von meiner Ausbildung profitieren?

 

Immerhin musste ich mir zu dem Zeitpunkt schon einige kritische Kommentare anhören. „Bist du verrückt? Nach einer so langen Ausbildung willst du jetzt plötzlich etwas ganz anderes machen?“ oder „Überleg doch mal, was du in der Industrie alles verdienen könntest!“. Sogar „Interessant. Existenzangst als Abenteuer.“ war mit dabei. Aber es half ja nichts, mein Entschluss stand fest. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Nur was genau?

Kleiner Nebensatz, große Wirkung: Die Idee zum Buch

Und dann half das Glück doch noch ein bisschen nach. Eines Morgens bekam ich eine E-Mail des SWR. Eine Mitarbeiterin war auf meinen Blog aufmerksam geworden (juhuuuuu!) und fragte, ob ich nicht Lust hätte, bei der Sendung „Süßer Südwesten“, einer Dokumentation über die süße Seite Baden-Württembergs mitzumachen. Na und ob!

 

Es folgte ein sehr nettes Telefonat, bei dem ich ihr von meinem Blog und von mir erzählte und bei dem sich leider irgendwann ein Problem herauskristallisierte: Was sollte ein Fernsehteam bei mir eigentlich filmen? Ich arbeite zu Hause, backe, fotografiere und schreibe meist auch dort und habe eine nicht gerade wahnsinnig große Küche. In einem Nebensatz fragte mich die besagte Mitarbeiterin jedoch dann, ob ich denn schon einmal überlegt hätte, aus dem Projekt ein Buch zu machen. Hm... Das hatte ich zwar tatsächlich, hatte die Idee aber sofort wieder verworfen.

So viel vorneweg: Aus der Teilnahme am süßen Südwesten wurde leider nichts. Das Telefonat war trotzdem sehr nützlich. Denn Nebensatz hin- oder her, da war sie endlich: Die zündende Idee. Allerdings habe ich sie zuerst natürlich nicht erkannt. Ein Buch wäre ja schön und gut. Nur worüber? Und war es nicht wahnsinnig schwer, einen Verlag zu finden? Geschrieben hatte ich ja schon immer gerne, aber ein Buch? Ich?

 

Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir die Idee. Ein Buch. Warum eigentlich nicht. Wie ich das Projekt Buch dann tatsächlich angegangen bin und einen Vertragsverlag bekommen habe, das gibt’s bald hier.